Zum Inhalt springen

15. Juli 2008: Stefan Politze bei der Enthüllung des Legendenschildes zum Moritz-Simon-Weg

Enthüllung des Legendenschildes zum Moritz-Simon-Weg am 15. Juli 2008

Durchgeführt von Bürgermeisterin Ingrid Lange in Anwesenheit des Bezirksbürgermeisters Wilfried Gunkel und weiteren Bezirksratsmitgliedern.

<b><i>Moritz Simon, 27.11.1837 – 29.01.1905
hannoverscher Bankier, Gründer und Stifter der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem</b></i>

So steht es auf dem neuen Legendenschild am Moritz- Simon-Weg im Stadtteil Ahlem. Simon Moritz hat zwar nach einer Banklehre und Studien in den USA mit seinem Vater 1852 in Hannover das Bankhaus Alexander Simon gegründet. Sein Lebenswerk war jedoch die Israelitische Gartenbauschule in Ahlem, für die er 1892 aus eigenen Mitteln Land kaufte und das Gebäude errichten ließ.
Am 2. Juni 1893 zogen die ersten Schüler - zu dieser Zeit alles Jungen - ein. Sie hatten die Möglichkeit nach dem Volksschulabschluss eine Gartenbaulehre zu absolvieren. Später wurden weitere handwerkliche Ausbildungsgänge wie z.B. Bäcker und Schuhmacher eingerichtet. Dieses damals sehr moderne Konzept sollte den Vorurteilen entgegen wirken, dass Juden keine produktiven Berufe erlernen und ausüben können. Und das aus gutem Grund: viele Berufe waren, wie wir alle wissen, für Juden über Jahrhunderte nicht zugänglich. Juden arbeiteten im Handel, in Banken, viele arme Juden im Kleinhandel oder als Hausierer. Moritz Simon wollte jüdischen Jugendlichen am Ende des 19. Jahrhunderts eine Perspektive aufzeigen, damit sie in Deutschland bleiben konnten; und dann es auch selber wollten. Es war eine Alternative zum Zionismus, der sich um 1880 organisierte und zur Auswanderung nach Palästina aufrief. Moritz Simon ist 1905 gestorben und hat den Holocaust und dessen Folgen für seine Gartenbauschule nicht erlebt.
Die Israelitische Gartenbauschule konnte bis zu ihrer Schließung am 30. Juni 1942 nur unter schwierigsten Bedingungen ihre Aufgabe erfüllen, jüdische Kinder und Jugendliche im Handwerk und Gartenbau zu unterrichten. Allerdings war in dieser Zeit wichtigstes Ziel, die Kinder und Jugendlichen auf die Auswanderung vorzubereiten. Ich bin überzeugt, heute würde Moritz Simon verstehen, dass Ahlemer Schülerinnen und Schüler entgegen seinen Vorstellungen auswandern mußten. Gerade Gartenbauer mit ihren Kenntnissen der Bewässerungstechnik haben entscheidend zum Aufbau des Staates Israel beigetragen. Diese Schule hatte sich zu einer weltweit anerkannten Bildungseinrichtung entwickelt und ihre Methoden werden noch heute in Israel gewürdigt. Ich danke dem Stadtbezirksrat Ahlem-Badenstedt-Davenstedt, dass er am 22. Mai 2008 beschlossen hat, die Kosten für das Legendenschild zum Moritz-Simon-Weg zu übernehmen. Denn es ist so wichtig, dass wir uns an Menschen erinnern, die etwas Bleibendes in ihrer Zeit für ihre und unsere heutige Zeit geschaffen haben. Ingrid Lange

Vorherige Meldung: Stefan Politze besucht Amtsgericht Neustadt

Nächste Meldung: Landtagsabgeordnete aus der Region besuchen JVA in Hannover

Alle Meldungen